gottes häuser

die sehnsucht der kirchen nach den menschen scheint größer als die der menschen nach den kirchen. die zeiten ihres fast alternativlosen zufluchtsangebotes - in ihr schützendes bauwerk, in ihren schützenden glauben - sind vergangen. heute sind hierzulande die meisten kirchen meistens einsam.

über die jahrhunderte fallen kirchenbauten zwar manchmal gleichgültigkeit, auch feindschaft zum opfer, erleben wirtschaftliche not und entfremdung von ihrer gemeinde, oft sogar glaubens- und andere kriege, doch sie finden meist neue wertschätzung. davon zeugen noch heute allein in dem von mir für dieses projekt bereisten sachsen-anhalt mehr als 1800 existierende kirchenbauten, wenn auch in sehr unterschiedlicher verfassung.

thema dieser fotografischen erkundung im eigenen auftrag und mit hilfe eines stipendiums des landes sachsen-anhalt sind nicht kunstschätze und architekturjuwelen, sondern die schönheit und lebendigkeit des alltags von gottes häusern in ihrer ganz menschlichen unvollkommenheit. wir sehen kirchliche interieurs als sinn-bilder für die ewige baustelle des lebens, über konfessionelle grenzen, über die frage eines glaubens überhaupt hinweg.

auch als penibel aufgeräumte denkmale, gar als touristenattraktionen haben es kirchen und ihre gemeinden nicht leicht. dagegen zeigen gerade provisorien und improvisationen: hier ist leben! trotz allem und noch immer! für mich macht genau das gottes häuser bild-schön.


13 dieser bilder erschienen in einem nun vergriffenen wandkalender für 2022 (A3 quer, 300g/m² bilderdruckpapier matt, spiralbindung schwarz, aufhänger) in kleinstauflage.